Aus unserer Festschrift die zum 100-jährigem Bestehen erstellt wurde:

Der Schützenverein Quantwick - Oberortwick in der Gründungszeit

1. Historie

Nach mündlicher Überlieferung feierten die Quantwicker mit den Beikelortern abwechselnd auf den Höfen Schulze-Schwering in Quan

Die Gründung des Schützenvereins Quantwick-Oberortwick erfolgte im Oktober 1900. Wesentliche Akteure hierbei waren die Familien Bayer-Brockhaus aus Ortwick und Schulze-Schwering aus Quantwick. Die Herren Franz Bayer-Brockhaus (1836-1911) und Josef Schulze- Schwering (1863-1925) waren übereingekommen, die Oberortwicker und die Quantwicker sollten doch zusammen Schützenfest feiern als gemeinsamer Schützenverein. Es ist aber nicht so, dass das nun „Neuland" für die Akteure war: Die Ortwicker – früher gab es nur Ortwick -, und nicht die Aufteilung in Unter- und Oberortwick, (das kann man u.a. auch daran erkennen, dass die erste Hausnummernvergabe durchgehend war) haben bereits vorher als Schützenverein Ortwick ihre Feste gefeiert, so zuletzt gemeinsam im Mai 1900. Das Zelt stand in Ahaus am Ottensteiner Weg, wo jetzt in der Nähe die Ahauser Stadthalle steht. Nach der Trennung haben die Unterortwicker noch einige Jahre allein gefeiert (so z.B. am 16. Juni 1901) aber nach dem ersten Weltkrieg sind Schützenfestaktivitäten nicht bekannt. 1975 haben sich die Unterortwicker dem Schützenverein Barle e.V. angeschlossen.

Nach mündlicher Überlieferung feierten die Quantwicker mit den Beikelortern abwechselnd auf den Höfen Schulze-Schwering in Quantwick und Schulze-Beikel im Beikelort ein sogenanntes Höfefest. Die Beikelorter haben dann 1910 einen eigenen Schützenverein gegründet.

2. Die Gründung

Über die Gründungsaktivitäten, Beschlüsse, der ersten Satzung (soweit eine existiert hat), über die Verteilung von Vorstands- und Offiziersposten bzw.-aufgaben liegen dem Verein keine Informationen und Unterlagen vor. Bekannt ist, dass bei der Gründung des Vereins noch der Gründungsname „Schützenverein Ortwick & Quantwick" verwandt worden ist. Allerdings steht auf der Vereinsfahne aus dem Jahre 1933 „nur" Quantwick. Ab der Wiederanmeldung 1939 und der Wiederaufnahme der Vereinsaktivitäten im  Jahre 1949 lautete der Vereinsname „Schützenverein Quantwick-Oberortwick". Auch bei der Anschaffung der aktuellen Vereinsfahne im Jahre 1976 gab es erneut eine Diskussion um den Vereinsnamen, jedoch ist es bei der Bezeichnung „Quantwick-Oberortwick" unverändert geblieben.

3. Entwicklung des Schützenvereins bis zum zweiten Weltkrieg

In die Zeit des Aufkommens des Vereinswesens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist auch der Beginn des ,modernen Schützenwesens anzusiedeln Die Schützenvereinigungen mit Gründungsdatum vor dieser Zeit unterscheiden sich (historisch als Bürgerwehren gegründet) grundlegend von denen, die sich im 19. Und 20. Jahrhundert herausbildeten. Da sich die Mitglieder der Schützenvereinigungen in erster Linie aus dem städtisch-bürgerlichen Milieu rekrutierten, existierten im ländlichen Bereich Westfalens um 1860 nur relativ wenige Schützenvereinigungen. In ganz Westfalen war erst um die Jahrhundertwende eine Gründungswelle der bäuerlichen Schützenvereine festzustellen.

Die Gründung des Schützenvereins Ortwick & Quantwick fällt somit ebenfalls in diese allgemeine Gründungsphase. Nachdem im Gründungsjahr und zwei Jahre später 1902 die ersten Schützenfeste gefeiert worden waren, folgte das nächste Schützenfest erst im Jahre 1909 und danach in den Jahren 1911 und 1913.

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges, der eine schützenfestfreie Zeit darstellte, setzte in den 20er Jahren der Verein die Tradition der Schützenfeste fort. Trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeit fanden von 1924 bis 1933 fünf Schützenfeste statt. Die traditionellen Schützenfeste hatten häufig den Charakter von „Heimatfesten" angenommen. Bei diesen Feierlichkeiten ging es nicht darum, die Wehrhaftigkeit des Ortes zu demonstrieren oder gar die militärische Stärke des Vaterlandes zu fördern.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozilisten im Jahre 1933 sollten aber solche Vorstellungen wieder stärker in den Vordergrund rücken, die die Bedeutung des Festes für die Gemeinschaft und das Vaterland betonten. Ziel müsse sein: „ Alles, was sich Schützenverein nennt, muss auch wie vor vielen Jahren wieder schießen, sonst werden die Vereine als überflüssig aufgelöst". So wurde bereits im Mai 1934 sämtlichen Schützenvereinen, die den Beitritt in den Deutschen Schützenbund und die Eingliederung ablehnen sollten, keine Genehmigung mehr für das Abhalten ihres Schützen-bzw. Schießsportfestes in Aussicht gestellt. Dabei erwiesen sich insbesondere für die kleinen ländlichen Schützenvereine die mit dem Eintritt verbundenen Beitragsforderungen des Verbandes als äußerst problematisch. Auch mit den neuen Satzungsbestimmungen, in denen „der Verein Bestrebungen und Bindungen klassentrenneder und konfessioneller Art abzulehnen habe", konnten sich viele Vereinsmitglieder nicht identifizieren.

Im Jahre 1936 wurde in einem Rundschreiben an alle Schützenvereine bekanntgegeben: Ein jeder Schützenverein, auch wenn er nur einmal im Jahr ein Schützenfest feiere, habe die Verpflichtung sich in den DSV (Deutscher Schützenverband) einzugliedern. Es würden keine „wilden" Vereine mehr geduldet. In der zweiten Hälfte des Jahres 1938 ging man gezielt gegen einzelne noch existierende Schützenvereine vor, die bisher den Anforderungen des DSV nicht nachgekommen waren. Ein bedeutsames Problem wäre gewesen, dass das Vermögen des Vereins (z.B. die wertvolle Schützenkette) hätte beschlagnahmt werden können. So ist zu erklären, dass laut einer Veröffentlichung in der Zeitschrift für Schützen und Jäger vom 20. Sept- 1939 der Schützenverein Quantwick-Oberortwick als neugegründeter Verein mit aufgelistet worden ist.

Während der Zeit nach 1935 bis 1950 hat der Schützenverein keine Schützenfeste gefeiert.

4. Chronik der Vorstandsmitglieder und Offiziere bis zum zweiten Weltkrieg

Soweit überliefert worden ist, werden die Herren Schulze-Schwering bzw. Bayer-Brockhaus als Gründungsvorsitzende  genannt. Darüber hinaus waren Vorstandsmitglieder bzw. Vorsitzende/Schriftführer/Offiziere.

Vorstandsmitglieder waren u.a.:

  • Heinrich Heßling
  • Hermann Gehring (Vorsitzender)
  • Heinrich Lefert-Wiefhoff (Schriftführer)
  • Leopold Bußmann (sen.)
  • Heinrich Benneker
  • Gerhard Büning
  • Josef Kortbuß
  • Alois-Effsing-Goßling
  • Franz Hemker
  • Gerhard Wesseler
  • Heinrich Boom

Offiziere waren u.a.:

  • Josef Schulze-Schwering (Oberst) (40 Jahre lang)
  • Heinrich Upgang-Reimelt (1. Major)
  • Theodor Berning (2. Major)
  • Hermann Voß (Hauptmann)
  • Josef Schenk (Hauptmann)